Das neue Evergrey-Album – Ein seelenloses Produktionsmonster?
Ich finde den Sound der Scheibe ein bisschen schwierig: Sie klingt breiig und überladen, Feinheiten gehen leider total unter. Da ist zum Beispiel dieses zarte Piano im Hintergrund – das habe ich aber nur gehört, weil ich mich sehr konzentriert mit der Scheibe auseinandergesetzt habe. Was wollte man denn damit erreichen? Ist das ein Problem der heutigen Zeit? Mehr ist mehr? Ist das der musikalische Schwanzvergleich?
Dabei gibt es durchaus Lichtblicke: Toms Stimme klingt toll, fast besser denn je, und die Gitarrensoli sind sehr stimmig. Aber die überladene, breiige Produktion schmälert meinen Hörgenuss total. Ich bin total unhappy. Es gibt Alben, die brauchen etwas Zeit – nur sollte die Produktion schon Lust darauf machen, sich überhaupt damit zu beschäftigen. Dennoch werde ich es tun, vielleicht hatte ich ein paar schlechte Tage.
Update / Fazit (einige Zeit später):
Etwas Zeit ist seit meinen ersten Zeilen vergangen. Zeit, die ich der Scheibe auch ehrlich geben wollte. Leider zum Nachteil von Evergrey: Das Album hat nicht an Gunst gewonnen, das Gegenteil ist der Fall. Als großer Fan dieser Band ist die Enttäuschung riesig. Ich weiß nicht, wann ich so etwas bei einer meiner Lieblingsbands schon mal erlebt habe.
Tatsächlich stehe ich mit dieser Meinung relativ alleine da. Ein paar wenige teilen sie, aber die meisten feiern das Album total ab. Irgendwas stimmt mit Scheffin nicht – oder doch mit den anderen?
Aus diesem Album wurde die Seele rausproduziert. Es ist unfokussiert, hat keine Dynamik, tut sogar manchmal in den Ohren weh. War Rock und Metal nicht mal einfach nur laut und dreckig? Wo ist denn der Dreck geblieben? Klar, Evergrey haben jetzt nie übermäßig mit Rock-’n’-Roll-Dreck um sich geworfen, man hat sich lieber ein bisschen im Prog gesuhlt; im Prog hat man aber eigentlich von jeher Wert auf hörbare und exzellente Produktionen gelegt.
Vielleicht ist dieses Review auch eine Abrechnung mit den unsäglichen Produktionen der Neuzeit, die in diesem Album für mich einen schlimmen Höhepunkt erreicht haben.